Selbstständig machen als Freiberufler oder Freelancer – Was bedeutet das?

01. Februar 2010 von Christian Kraus

Was bin ich und was will ich sein? Diese philosophisch anmutende Frage dürften sich wohl viele Gründer stellen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Auch wir haben diese Phase beim Aufbau der BizWiese durchgemacht und sind eigentlich immer noch damit beschäftigt, denn es gibt ständig Neues zu lernen.

Um den Einstieg für Neulinge zu erleichtern, klären wir in diesem Beitrag die häufigsten Missverständnisse auf, die bei der Nutzung der Begriffe “Selbstständigkeit”, “Freiberufler”, “Freelancer” und “Gewerbe” auftreten.

Ich bin Freiberufler

Der Freiberuf oder auch freie Beruf beschreibt bestimmte selbstständige Tätigkeiten, die im Einkommenssteuergesetz (§18 EStG) und im Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (§1 PartGG) verankert sind und nicht der Gewerbeordnung unterliegen. Hierzu zählen selbstständige Aktivitäten, die eine besondere berufliche Qualifikation oder schöpferische Begabung erfordern, wie z. B. in den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Erziehung. Nach dem deutschen Recht sind Selbstständige entweder Freiberufler oder Gewerbetreibende, allerdings niemals beides zusammen.

Freie Berufe in Deutschland im Jahr 2008 (Quelle: Institut für Freie Berufe, Erlangen, 2008)

  • Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker
  • Rechtsanwälte, Patentanwälte und Notare
  • Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater
  • Architekten, Ingenieure (auch beratend) und Sachverständige
  • Freie Kulturberufe

Laut der aktuellen Statistik (Stand 01.02.2010) des IfB Bonn gibt es mittlerweile über 1.000.000 Freiberufler in Deutschland. Weitere Interessante Statistiken gibt es übrigens im Statistik-Bereich des IfB.

Und hier die wichtigsten Vorteile, die man als Freiberufler genießt:

  • Keine Gewerbesteuer
  • Keine Anmeldung beim Gewerbeamt
  • Einfache Buchhaltung auch bei hohen Gewinnen (Einnahmen-Überschuss-Rechnung)
  • “Ansparabschreibungen” bieten bessere Möglichkeiten zur Abschreibung

Es gibt aber auch Nachteile, da einige freie Berufe an bestimmte Regelungen, die sogenannten Berufsrechte, gebunden sind. Das Berufsrecht definiert für bestimmte Berufsgruppen im Detail, wie man sich als ausübender Freiberufler zu Verhalten hat. Insbesondere Steuerberater, Rechtsanwälte, Notare und Wirtschaftprüfer sind durch das Berufsrecht an viele Einschränkungen gebunden, z. B. im Bereich des Selbstmarketing (Werbung), das im Internetzeitalter immer mehr an Bedeutung gewinnt. Auch die Kooperationen zwischen einzelnen freien Berufen sind immer noch stark eingeschränkt. Über die Auswirkungen des  Berufsrecht im Zeitalter des Internet hatten wir daher bereits berichtet.

Ich bin Freelancer

Der Begriff “Freelancer” ist in Deutschland nicht rechtlich geschützt und kann daher wie der Stempel “Unternehmensberater” beliebig verwendet werden. Da mit diesem Begriff in Deutschland allerdings keine Qualitätserwartung seitens der Kunden verbunden sind, kann damit weitaus unproblematischer umgegangen werden, als z. B. mit der ungeschützten Bezeichnung als Unternehmensberater.

Das Freelancing ist bereits vor vielen Jahren als Begriff populär geworden und stammt ursprünglich aus dem US-amerikanischen Sprachraum. Dort sind Freelancer allgemein Personen, die selbstständig, mit eigener Verantwortung und persönlichem Risiko projektbasierte Dienstleistungen anbieten und damit Ihr Leben finanzieren. Auch hierzulande ist ein Freelancer in erster Linie selbstständig und arbeitet projektbasiert, wobei dieser Begriff keine Aussage über den Status als Freiberufler oder Gewerbetreibender enthält.

Was? Ich betreibe ein Gewerbe?

So oder ähnlich klingt häufig die Reaktion von Privatpersonen, die neben Ihrem Hauptberuf eine kleine Internetseite für den Kegelverein managen und dort z. B. Google AdSense integrieren, wenn das Finanzamt davon erfährt. In Deutschland ist man grundsätzlich Gewerbetreibender, sofern man (a) kein Freiberufler ist und (b) eine wirtschaftlich motivierte sowie nachhaltige Tätigkeit ausführt, der eine dauerhafte Gewinnerzielungsabsicht zugrunde liegt und die auf eigene Rechnung und Verantwortung ausgeführt wird.

Wenn man als Unternehmensgründer wirtschaftlich aktiv wird, d. h. Umsätze erwirtschaftet oder Waren einkauft, sollte man dementsprechend unbedingt ein Gewerbe anmelden. Diese Regelung gilt unabhängig von der Rechtsform (z. B. GbR) des Unternehmens und kennt nur eine einzige Ausnahme: Man ist Freiberufler. In diesem Fall betreibt man kein Gewerbe und genießt u. a. den Vorzug, dass man keine Gewerbe anmelden muss.

Einzelfall IT: Systemprogrammierung vs. Anwendungsprogrammierung

Laut deutscher Rechtsprechung sind nur bestimmte Berufsgruppen als Freie Berufe anerkannt und werden dementsprechend vom Finanzamt behandelt. Wer den Status Freiberufler erhält, genießt bestimmte steuerrechtliche Vorteile, die das Leben als Selbstständiger durchaus erleichtern können. Im Zweifelsfall prüft das zuständige Finanzamt den persönlichen Status und entscheidet, ob man als Freiberufler zugelassen wird.

Bei den modernen  IT-Berufen ist die immer noch praktizierte Unterscheidung  zwischen Systemprogrammierung und Anwendungsprogrammierung allerdings sehr problematisch und führt in Einzelfällen zu ganz unterschiedlichen Einstufungen. Systemprogrammierer werden als Freiberufler anerkannt, Anwendungsprogrammierer hingegen nicht, weil die erforderlich Komplexität und geistige Herausforderung bei dieser Form der Softwareentwicklung angeblich fehlt. In Zeiten des Internets und hochkomplexer Netzwerke, die sich hinter gängigen Anwendungen verbergen, ist diese Unterscheidung zwar absurd, aber leider weiterhin de jure gültig.

Es bleibt daher zu hoffen, dass der Gesetzgeber die längt ausstehende Reform der freien Berufe bald durchführt und damit auch neue Berufszweige im IT-Sektor als freiberufliche Tätigkeiten berücksichtigt.

Bist Du selbst Freiberufler oder Gewerbetreibender? Welche Erfahrungen hast Du beim Schritt in die Selbstständigkeit und bei der Statuswahl gemacht? Wir freuen uns auf Eure Kommentare, Anregungen und Verbesserungsvorschläge.

Barcamp Ruhr 3 in der Kulturhauptstadt 2010 – Standortbezogene Dienste im Fokus

27. Januar 2010 von Christian Kraus

Wir sind mit dabei!

Schon innerhalb von 6 Minuten waren gestern alle 160 Plätze zum Barcamp Ruhr 3 im Essener Unperfekthaus vergeben, sowohl für den Samstag als auch am Sonntag (20.03. – 21.03.2010). Zum Glück war ich direkt bei der Öffnung der Teilnehmerlisten online und konnte mich für den Samstag einklinken, sodass dieses Jahr auch die BizWiese beim Barcamp Ruhr vertreten sein wird.

barcampruhr2

Die Organisatoren (u. a. Stefan Evertz – hirnrinde.de) haben aus meiner Sicht im Vorfeld großartige Arbeit geleistet. Vor allem der Aufbau einer mixxt-Community als Barcamp Plattform erweist sich als ideal zur Organisation dieser Eventform. Die Community des Barcamp Ruhr 3 hat bereits über 400 Mitglieder und auch bei Twitter hat @bcruhr3 bereits über 250 Follower versammelt. Der Hashtag lautet übrigens entsprechend #bcruhr3.

Im Mittelpunkt des Camps stehen dieses Jahr “standortbezogene Dienste”, die im engeren Sinne also Themen rund um den Bereich Geolokalisierung umfassen. Darunter wird es aber auch regional abhängige Themen geben, wie z. B. Projekte, die im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 entstehen und stattfinden. Ich finde es übrigens schön, dass der Veranstalter in diesem Zusammenhang auch mal die deutsche Variante von “location based services” nutzt.

Da ich zum ersten mal an einem Barcamp teilnehme, bin ich besonders gespannt auf das Feeling und freue mich auf die Inhalte und natürlich die Leute vor Ort mit Ihren Ideen. Ich drücke den Veranstaltern deshalb die Daumen, dass das Barcamp Ruhr 3 mindestens genauso gut wird, wie die bisherige Vorbereitung. Weiter so!

Elevator Pitch Training – Mit Leidenschaft Investoren begeistern

25. Januar 2010 von Christian Kraus

POWeR für Startups

Wie lernen Gründer eigentlich das Präsentieren Ihrer Geschäftsidee? Was muss oder kann in die Präsentation, was sind no-gos? Diese Fragen stellt sich wohl jeder Gründer, der in einem minimalen Zeitfenster vor Investoren die eigene Geschäftsidee in vollem Glanz präsentieren will.

Die Antworten fand ich am vergangenen Freitag im Technologiepark der Universität Paderborn beim Vorbereitungsseminar zum POWeR Investment Forum 2010, zu dem auch unser Gründerteam BizWiese eingeladen wurde. Nach dem Motto “Startups meet Investors” (und natürlich umgekehrt), wurden zehn hochkarätige Gründerteams intensiv auf das Zusammentreffen mit Investoren am 03. Februar 2010 vorbereitet. Dabei wurden die Präsentationen der Gründer von der technischen Seite geprüft und – aus meiner Sicht noch wichtiger – aus der geschäftlichen Perspektive durchleuchtet, auf Herz und Nieren gecheckt und verbessert.

Die Patent Offensive Westfalen Ruhr (POWeR) unterstüzt mit dem POWeR Investment Forum die Suche der Gründerteams nach geeignetem Beteiligungskapital und eröffnet gleichzeitig Investoren wie z. B. Seed-Fonds und Business-Angels einen Zugang zu ausgewählten Geschäftsideen mit hohem Erfolgspotential.

Präsentationstechnik – Nicht angeboren, aber erlernbar

Dr. Yvonne Groening, Geschäftsführerin der MyConsult GmbH leitete zunächst durch ein professionelles Präsentationstraining. Hierbei ging es um das Handwerk des Präsentierens und die dabei zu beachtenden Verhaltensweisen. Dabei standen viele verschiedene Faktoren wie z. B. Standfestigkeit, Blickkontakt, Tempo, Lautstärke, Gestik, Mimik und das Foliendesign auf dem Prüfstand. Nach Auswertung der auf Video gefilmten Gründer Pitches stand fest, dass viele Gründer bereits erfahren im Umgang mit Präsentationen sind und der Feinschliff bei vielen nur durch eines erreicht werden kann: üben, üben und nochmals üben.

Geschäftsidee und Team | Spannungsbogen

Eine der entscheidenden Fragen beim Pitch ist wohl, ob das Gründerteam mit seiner Persönlichkeit oder die Geschäftsidee mit Ihren Potentialen im Vordergrund steht. Auch nach diesem Vorbereitungsseminar bin ich diesbezüglich leider nicht schlauer, es lässt sich aber festhalten: Beides muss rein und sollte jeweils spannend für den Investor aufbereitet werden. Es gibt aber leider kein Rezept für die Zutaten und Mengen. Nach der Auswertung der zehn Präsentationen war mir klar, dass unterschiedliche Zusammensetzungen der Inhalte je nach Geschäftsidee besser oder schlechter gewirkt haben. Letztendlich kommt es also auf das unabhängige Feedback von Profis an – sucht Euch also am besten Jemanden, der Euch und die Inhalte unvoreingenommen beurteilen kann.

Der Tip von Frau Dr. Groening: Baut einen Spannungsbogen auf und setzt am Ende der Präsentation einen Fogleimpuls, um den Zuhörer zu aktivieren. Demzufolge gibt es vier Phasen:

  1. Information: Wer bin ich, was mache ich? Einfach und schlicht, nicht übertreiben!
  2. Spannung aufbauen: Eine interessante Frage stellen. Mit Metaphern und Bildern arbeiten. Wine Geschichte über das eigene Produkt erzählen.
  3. Spannung lösen: Und jetzt die Bombe zünden. Die eigene USP zeigen. Was kann unser Produkt und die Anderen nicht? Wie sieht der konkrete Anwendungsfall aus?? Wie funktioniert meine Dienstleistung beim Kunden?
  4. Folgeimpuls setzen: Abschließend den Investor zum Gespräch einladen. Direkte Ansprache. Interesse wecken für den Austausch der Visitenkarten. Das Ziel sind 3 Visitenkarten von Investoren.

Marketing und Finanzen | Leidenschaft und Fakten

Florian Schmidt, Investment Manager und Geschäftsführer der Cresces GmbH, verriet den Gründerteams einige Insights der Branche und machte klar, dass Investoren auch nur Menschen sind. Laut ihm setzen Gründerteams den Fokus Ihrer Präsentation leider zu häufig auf die eigene Technologie oder unwichtige Produktdetails. Diese Selbstverliebtheit schadet dem Pitch, weil der Investor aus Kundensicht denkt und fühlt. Ihn interessiert nicht das Produkt, sondern der Nutzen für den Kunden. Der Investor will in kürzester Zeit wissen, welches Problem gelöst oder Bedürfnis befriedigt wird. Dazu muss der Gründer seine Idee mit Leidenschaft und Herz präsentieren, denn nur so wirkt er überzeugend und authentisch.

Zu den Zahlen: Finanzierungs- und Marketingstrategien und die zugehörigen Zahlen spielen beim Pitch eine untergeordnete Rolle. Das Gründerteam und die Geschäftsidee samt Kundennutzen stehen im Vordergrund. Sofern es spektakuläre Zahlen zum Markt, wie z. B. enormes Wachstumspotential gibt, sollten diese natürlich erwähnt werden. Detailliertes Zahlenwerk zu den Finanzen (wann wird welche Rechnung fällig?) sind beim Pitch allerdings fehl am Platz.

Der Kundennutzen sollte idealerweise in einer emotional ansprechenden Story oder Metapher verpackt werden, in die sich der Investor persönlich hineinfühlen kann. Man muss den Investor abholen und mitreißen, deswegen sollte die Story unbedingt mit etwas Pfiff gewürzt sein. Der Gründer muss dazu aus sich herauskommen und sein Selbstvertrauen nutzen. Investoren und Startups sind bei einem Pitch auf gleicher Augenhöhe, denn Sie versuchen beide einen Nutzen aus der Situation zu ziehen. Es gibt also keinen Grund zögerlich oder ängstlich zu sein, im Gegenteil es sollte ein Feuerwerk steigen. Ein Tipp um sich locker zu machen: Besinnt Euch auf die bisherigen Erfolge und macht Euch klar, dass Ihr und Eure Idee zusammen viel Wert und Potential habt.

An alle Unternehmensgründer: Wie sind Eure Erfahrungen mit Investoren oder Banken? Wie habt Ihr euch bei Präsentationen und nachfolgenden Gesprächen bzw. Vertragsverhandlungen verhalten, was waren die Ergebnisse?


 
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